Das Boro-Schema

Es ist unkompliziert und leuchtet sogar mir ein. Ich habe hierfür schamlos einige Versatzstücke aus den offiziellen Suchtkatalogen geklaut, aber dennoch handelt es sich nicht um “alten Wein in neuen Schläuchen” ( Regieanweisung: joviales Lachen ) denn ich habe a) meine eigenen Feldstudien aus Entgiftung, Therapie und Suchthilfe eingebracht, und b) gehe ich wesentlich kulanter mit dem Begriff “Abhängigkeit” um. Kulanter im Sinne des Körpers. Also rigider im Sinne des Schluckspechts. Außerdem habe ich ein nagelneues Kriterium erfunden, von dem ich hoffe, dass es als “das Kalender-Kriterium” Eingang in die offizielle Trinkerfachliteratur findet ....

1. Hobby-Trinker. Trinken risikoarme Mengen in risikoarmen Abständen. Machen sich so gut wie nie Gedanken über Alkohol. Trinken ist eine Ausnahme  ( “Zur Feier des Tages” ) Abstinenz hingegen ist so normal, dass der Hobby-Trinker nicht auf die Idee käme, seine alkoholfreien Zeiten im Kalender zu markieren.

2. Amateure. Stehen bereits in einem gewissen Trink-Training, trinken also regelmäßig und/oder bereits mehr als nur zur Feier des Tages. Abstinenz ist möglich, wird jedoch als Einschränkung/Diät/Zwangspause wahrgenommen. Der Kauf eines Trink-Kalenders würde sich bereits amortisieren, da wären schon regelmäßige Trink-Einträge vorhanden. Körperliche oder seelische Trinkschäden halten sich in Grenzen und werden in Eigenregie auskuriert.

3. Profis. Haben kaum noch oder nur unter Kraftaufwand Entscheidungsgewalt über Trinkmenge und/oder Trinkzeiten. Profis sind körperlich chronifiziert; der Körper hat Alkohol als dazugehörigen Bestandteil in seine Abläufe integriert. Das heißt: Die einen müssen ihren Spiegel halten, weil sie sonst in den Entzug rauschen. Bei den anderen schaltet der Körper auf Saufautomatik, sobald Alkohol zugeführt wird. Die Beziehung Körper-Seele-Alkohol führt ein Eigenleben bzw. ein unabhängiges Abhängigkeitsleben. Der Kalender platzt vor Markierungen aus allen Nähten. Alkoholfreie Zeiten sind zäh erkämpfte Zeiten. Viele Profis können durchaus im Alltag “Normalität” vorgaukeln. Sie versuchen, ihr “öffentliches” Leben heimlich um ihren Dauerdurst herum zu drapieren. Wenn nötig mit der Brechstange. Schutz durch Co. Abhängige und Schauspielerei nonstop sind an der Tagesordnung. Profis hocken dabei aber hinter ihrer Kulisse ( tagsüber in Konferenzen oder am Fließband oder Geschichte und Deutsch vor der 7c ) bereits auf der Parkbank.

4. Voll-Profis. Pfeifen auf Kulissen, weil die ihnen eh niemand mehr abnimmt. Haben sich Körper & Seele in Grund und Boden gesoffen, leben alternierend zwischen Kiosk und Entgiftung und können “Kalender” nicht mehr buchstabieren. Das normale Leben ist blau, abstinente Phasen finden nur noch unter Aufsicht von Pflegepersonal statt. Oder das Pflegepersonal ist fester Bestandteil des normalen Lebens geworden. ( Heim, Betreutes Wohnen )

5. Ehrenamtliche. Abstinent lebende Profis. Haben die Gosse vor Augen und den Kalender im Blick. Können meist auf den Tag genau sagen, wann sie das letzte Glas bzw. Fläschchen zu sich genommen haben.

 (Quelle: ALK - Simon Borowiak)


 

| | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | 

| | | | | | | | | | | | | | |

Nicht trinken ist geil!

Wir bieten keine Wunder aber Hilfe zur Selbsthilfe

Kontakt aufnehmen

Gefördert durch:

logo aok